Ratgeber

Die richtige Kreditkarte für den Urlaub

Die Karte im Portemonnaie entscheidet über einen dreistelligen Betrag pro Fernreise. Worauf es ankommt, wo die Kosten wirklich entstehen und warum am Mietwagenschalter so viele Urlaube kurz stocken.

Eine Reisekreditkarte ist kein eigenes Produkt, sondern eine Eigenschaft. Vier Dinge muss sie können, und wenn sie die kann, kostet sie in aller Regel nichts.

Die vier Kriterien

  • Kein Fremdwährungsentgelt: Üblich sind 1,5 bis 2,2 Prozent auf jeden Umsatz außerhalb der Eurozone. Bei 3.000 Euro Reisebudget sind das 45 bis 66 Euro, die ohne Gegenleistung abfließen.
  • Keine Jahresgebühr, dauerhaft: Viele Karten sind nur im ersten Jahr frei oder verlangen einen Mindestumsatz. Für eine Karte, die zwei Wochen im Jahr arbeitet, lohnt keine Gebühr.
  • Echte Kreditkarte, keine Debitkarte: Nur auf einem Kreditrahmen lässt sich eine Kaution reservieren. Genau daran scheitern Debitkarten am Mietwagenschalter.
  • Bargeld ohne prozentuale Gebühr: Wichtig überall dort, wo Karten nur eingeschränkt akzeptiert werden. Das Entgelt des Automatenbetreibers vor Ort bleibt davon unberührt.

Der teuerste Posten: das Fremdwährungsentgelt

Jede Zahlung außerhalb der Eurozone wird umgerechnet, und die meisten Karten verlangen dafür einen Aufschlag auf den Umsatz. Bei zwei Wochen Thailand mit 2.000 Euro Ausgaben sind das 30 bis 44 Euro, bei einer Rundreise durch die USA schnell das Doppelte. Der Posten taucht auf der Abrechnung nicht als eigene Zeile auf, sondern steckt im umgerechneten Betrag, und genau deshalb fällt er kaum jemandem auf. Karten ohne dieses Entgelt gibt es kostenlos, der Wechsel rechnet sich also bereits bei einer einzigen Fernreise im Jahr.

Die Kaution: der Punkt, an dem es tatsächlich klemmt

Was die meisten Girokonten heute ausgeben, ist eine Debitkarte. Sie trägt ein Visa- oder Mastercard-Logo, bucht aber sofort vom Konto ab und hat keinen Verfügungsrahmen. Zum Bezahlen reicht das fast überall. Sobald aber eine Kaution hinterlegt werden soll, wird es unangenehm: Mietwagenstationen, Hotels und Kreuzfahrtreedereien blockieren einen Betrag auf einem Kreditrahmen. Existiert keiner, wird die Karte abgelehnt oder der Betrag wirklich abgebucht.

Bei Mietwagen gilt fast überall dieselbe Regel: echte Kreditkarte, auf den Namen der fahrenden Person, mit genug Rahmen. Reserviert werden je nach Fahrzeugklasse und Land 500 bis 2.500 Euro, für die gesamte Mietdauer blockiert. Wer mit einer frisch ausgestellten Karte und niedrigem Rahmen anreist, steht schlimmstenfalls ohne Auto da, und die Ersatzlösung am Schalter ist immer die teure Vollkasko des Vermieters.

Bargeld abheben: drei Kostenquellen, nur eine steht auf der Karte

Die erste ist das prozentuale Abhebeentgelt des Kartenherausgebers, und das entfällt bei den guten Karten. Die zweite erhebt der Automatenbetreiber vor Ort, sie erscheint auf dem Display und liegt in Urlaubsländern häufig zwischen drei und sechs Euro pro Vorgang. Dagegen hilft nur, seltener und dafür größere Beträge zu ziehen und Automaten von Banken zu benutzen statt freistehende Geräte an der Strandpromenade.

Die dritte Quelle übersehen fast alle: Bei Kreditkarten mit Teilzahlung wird abgehobenes Bargeld in der Regel ab dem Abhebetag verzinst, auch wenn keine Abhebegebühr anfällt. Für die laufende Bargeldversorgung ist deshalb die Debitkarte des Girokontos das richtige Werkzeug. Die Kreditkarte spielt ihre Stärke beim Bezahlen und bei der Kaution aus.

Der Umrechnungstrick an der Kasse

An Terminals und Geldautomaten im Ausland kommt regelmäßig die freundliche Frage, ob in Euro abgerechnet werden soll. Die Antwort lautet immer nein. Bei dieser Dynamic Currency Conversion legt der Betreiber den Kurs selbst fest und schlägt typischerweise 3 bis 12 Prozent auf. Der Vorteil einer Karte ohne Fremdwährungsentgelt ist damit in einer Sekunde aufgezehrt. Wer in Landeswährung zahlt, bekommt den Kurs von Visa oder Mastercard, und der liegt sehr nah am echten Devisenkurs.

Der eine Handgriff nach dem Kartenerhalt

Fast alle kostenlosen Kreditkarten sind Revolving-Karten: Der offene Betrag wird nicht automatisch komplett vom Konto eingezogen, sondern in Raten getilgt, und auf den Rest laufen Zinsen zwischen rund 20 und 25 Prozent. Dort verdienen die Anbieter das Geld, das sie bei Jahresgebühr und Fremdwährung verschenken. Deshalb gehört direkt nach Erhalt der Karte genau ein Handgriff erledigt: in der App auf vollständigen Ausgleich umstellen oder einen Dauerauftrag einrichten. Danach ist die Karte tatsächlich kostenfrei.

Welche Karten die Kriterien erfüllen

In Deutschland gibt es eine überschaubare Zahl dauerhaft kostenloser Karten ohne Fremdwährungsentgelt, darunter die GenialCard der Hanseatic Bank, die awa7 Visa, die Gebührenfrei Mastercard Gold der Advanzia Bank sowie die Mastercard Gold der TF Bank. Sie unterscheiden sich vor allem in zwei Punkten: ob ein Reiseversicherungspaket enthalten ist und wie hoch der Sollzins in der Teilzahlung ausfällt. Die Konditionen im direkten Vergleich, inklusive der Zinssätze und der Versicherungsleistungen, stehen im Vergleich der kostenlosen Reisekreditkarten auf bankscore.de.

Wo die Karte wirklich etwas bringt

  • USA, Kanada, Großbritannien, Skandinavien – Karte schlägt Bargeld: Kartenzahlung ist Standard, teils wird Bargeld gar nicht mehr angenommen. Hier zahlt sich eine Karte ohne Fremdwährungsentgelt bei jedem einzelnen Umsatz aus.
  • Südeuropa und Eurozone – Nur die Kaution zählt: Beim Bezahlen spart die Karte nichts, es wird in Euro abgerechnet. Relevant bleibt sie für Mietwagen, Hotelkaution und als Ausweichkarte.
  • Südostasien, Lateinamerika, Nordafrika – Bargeld bleibt König: Außerhalb der Hotels und Malls wird bar bezahlt. Entscheidend ist, was das Abheben kostet, nicht das Fremdwährungsentgelt.
  • Türkei, Ägypten, Argentinien – Auf den Kurs achten: Bei hoher Inflation und Sonderkursen lohnt der Blick auf den offiziellen Umrechnungskurs, bevor man sich allein auf die Karte verlässt.

Karte und Versicherung gehören zusammen gedacht

Manche Karten bringen ein Reiseversicherungspaket mit, und das ist besser als sein Ruf, ersetzt aber keine eigene Police. Der Schutz ist an den Karteneinsatz gekoppelt, gilt meist nur für Reisen bis 90 Tage und kennt Selbstbehalte sowie Ausschlüsse für Vorerkrankungen. Wer länger unterwegs ist oder ein sportliches Programm plant, braucht eine eigene Auslandskrankenversicherung. Welche Bausteine sich sonst noch lohnen, steht im Ratgeber Reiseversicherung.

Vier Wochen vorher, nicht vier Tage

Bonitätsprüfung, Videoident und Postversand brauchen zusammen oft zwei bis drei Wochen. Dazu kommt, dass Neukunden mit einem eher niedrigen Kreditrahmen starten, der sich erst nach einigen Monaten störungsfreier Nutzung anheben lässt. Wer die Karte für eine Mietwagen-Kaution braucht, beantragt sie also nicht in der Woche vor dem Abflug. Auf die Packliste gehört sie trotzdem, zusammen mit der Notfallnummer zum Sperren und einer Kopie der Kartennummern, getrennt vom Portemonnaie aufbewahrt.

Häufige Fragen

Reicht die Debitkarte meiner Bank für den Urlaub?

Zum Bezahlen und Abheben meistens ja, als Kaution häufig nein. Mietwagenstationen und Hotels reservieren einen Betrag auf einem Kreditrahmen, den eine Debitkarte nicht hat. Sie wird deshalb an vielen Schaltern abgelehnt oder es wird der volle Betrag vom Konto abgebucht, der dann für die Reise fehlt.

Soll ich im Ausland in Euro oder in Landeswährung bezahlen?

Immer in Landeswährung. Wenn Terminal oder Geldautomat die Abrechnung in Euro anbieten, legt der Betreiber den Wechselkurs selbst fest und schlägt typischerweise 3 bis 12 Prozent auf. Das ist deutlich teurer als jedes Fremdwährungsentgelt und trifft auch Karten, die eigentlich null Prozent berechnen.

Wie hoch muss der Kreditrahmen für einen Mietwagen sein?

Vermieter reservieren je nach Fahrzeugklasse und Land zwischen 500 und 2.500 Euro, bei Wohnmobilen auch mehr. Der Betrag ist für die Dauer der Miete blockiert und steht für andere Zahlungen nicht zur Verfügung. Wer knapp kalkuliert, sollte den Rahmen einige Wochen vor der Reise anheben lassen, kurzfristig klappt das selten.

Ersetzt die Versicherung in der Kreditkarte eine Reiseversicherung?

Nein. Der Schutz ist an den Karteneinsatz gekoppelt, die Reise muss also mit genau dieser Karte bezahlt worden sein, und er endet meist nach 90 Tagen pro Reise. Dazu kommen Selbstbehalte und Ausschlüsse. Als Grundschutz für zwei Wochen Pauschalurlaub taugt das Paket, sonst braucht es eine eigene Police.

Wie viele Karten sollte ich mitnehmen?

Zwei, eine Visa und eine Mastercard, getrennt aufbewahrt. Karten werden gesperrt, verschluckt, gestohlen oder von einem einzelnen Netzbetreiber nicht akzeptiert. Weil beide ohne Jahresgebühr zu haben sind, kostet diese Absicherung nichts außer einem zweiten Antrag.

Wann sollte ich die Karte beantragen?

Vier bis sechs Wochen vor der Abreise. Bonitätsprüfung, Videoident und Postversand brauchen zusammen oft zwei bis drei Wochen, und der anfangs niedrige Kreditrahmen lässt sich erst nach einigen Wochen Nutzung anheben.