Am besten wanderst du dorthin aus, wo Aufenthaltsrecht, Einkommen und Krankenversicherung zu deiner Lebenslage passen. Für die meisten Deutschen ist das die EU oder die Schweiz, denn dort gibt es kein klassisches Visumverfahren. Das beste Land zum Auswandern gibt es dabei nicht pauschal. Wer ortsunabhängig Geld verdient, findet außerhalb Europas oft niedrigere Lebenshaltungskosten und hohe Lebensqualität, trägt aber die Hürden selbst: Visum, private Krankenversicherung, Distanz.
Dieser Überblick stützt sich auf amtliche Statistiken, offizielle Stellen und eine große Expat-Umfrage, Stand November 2026. Er ist keine Rechts- oder Steuerberatung. Visa-, Steuer- und Sozialversicherungsregeln ändern sich und hängen vom Einzelfall ab, prüfe sie deshalb vor jeder Entscheidung bei der zuständigen Stelle.
Wohin deutsche Auswanderer wirklich gehen
Das Statistische Bundesamt nennt für 2025 drei Hauptziele deutscher Staatsangehöriger: die Schweiz mit 23.000, Österreich mit 14.000 und Spanien mit 10.000 Fortzügen. Es sind also vor allem Nachbarn und Länder, in denen die Sprache oder das Recht den Start erleichtern. Insgesamt zogen 97.000 Deutsche mehr fort als zurück. Die Zahl ist nicht ganz exakt, denn sie beruht auf Abmeldungen, und nicht jeder meldet sich ab.
Dazu passt der Blick der Bundeszentrale für politische Bildung: Neben der Schweiz und Österreich gehören die USA, Großbritannien, Polen, die Niederlande, Frankreich, Spanien und die Türkei zu den wichtigen Zielen. Der Traumstrand steht in der Statistik also nicht an erster Stelle. Die Nähe zu Deutschland und der Arbeitsmarkt spielen für viele Auswanderer offenbar eine größere Rolle als das Klima.
Wo Expats am zufriedensten sind
Eine andere Frage beantwortet der Expat Insider 2026 von InterNations: Fast 8.000 Befragte bewerteten ihr Leben in 31 Ländern. Vorn liegen Panama, Mexiko und Thailand, dann die Vereinigten Arabischen Emirate, Brasilien, Spanien, Singapur, Portugal, Malaysia und Luxemburg. Deutschland landet auf dem vorletzten Platz.
Zwei Dinge relativieren das Ergebnis. Die Umfrage misst, wie zufrieden Menschen sind, die schon dort leben, oft mit Einkommen aus dem Ausland. Und sie sagt nichts darüber, ob du überhaupt bleiben darfst. Panama auf Platz 1 hilft dir wenig, wenn du die Aufenthaltsbedingungen nicht erfüllst. Auch das Dubai-Bild aus Fernsehsendungen wie Goodbye Deutschland zeigt selten den Alltag von Auswanderern: Der Neustart im Ausland besteht vor allem aus Behörden, Wohnungssuche und Versicherungen.
Die wichtigste Grenze: EU oder nicht EU
Innerhalb der EU darfst du als Deutscher ohne Visum leben. Wer nicht arbeitet, braucht laut Your Europe ausreichendes Einkommen und eine umfassende Krankenversicherung. Nach drei Monaten kann das Gastland verlangen, dass du dich anmeldest. Für die Schweiz gilt das Freizügigkeitsabkommen zwischen EU und Schweiz.
Außerhalb der EU entscheidet das Zielland, wer bleiben darf. Thailand etwa vergibt das Langzeitvisum O-A laut seinen Auslandsvertretungen an Menschen ab 50 ohne Arbeitsabsicht, mit Vermögens- oder Einkommensnachweis. Dazu kommt ein Punkt, den viele unterschätzen: Außerhalb von EU, Island, Liechtenstein, Norwegen, der Schweiz und Großbritannien ruht die gesetzliche Krankenversicherung in der Regel, wenn kein Sozialversicherungsabkommen besteht, schreibt die Verbraucherzentrale NRW. Du brauchst dann einen privaten Vertrag.
Klassische Einwanderungsländer wählen stärker aus. Australien etwa vergibt seine Visa für Fachkräfte nur auf Einladung, nachdem du Berufserfahrung und Qualifikation angegeben hast. Wer auswandern nach Kanada, Australien oder Neuseeland will, sollte daher zuerst prüfen, ob der eigene Beruf gefragt ist. Eine neue Staatsbürgerschaft ist für den Umzug in der Regel nicht nötig, sie ist ein eigenes Thema mit eigenen Fristen.
Länder nach Lebenslage
| Lebenslage | Naheliegende Ziele | Warum | Der Haken |
|---|---|---|---|
| Du willst dort angestellt arbeiten | Schweiz, Österreich | Hauptziele der Deutschen, deutsche Sprache, EU-Recht oder Freizügigkeit | Ohne Stelle kein Einkommen, die Lage hängt am Arbeitsmarkt |
| Du willst Sonne und bleibst in Europa | Spanien, Portugal, Griechenland | EU-Aufenthalt ohne Visum, Spanien und Portugal in den Top 10 der Expats | Portugals Steuerregime für Neuzuzügler (NHR) ist seit 2024 abgeschafft |
| Du bringst dein Einkommen mit und willst niedrige Kosten | Bulgarien, Rumänien, Polen | Niedrigste Preise der EU: 63, 65 und 73 % des EU-Schnitts | Niedrigere Löhne vor Ort, Sprache und Infrastruktur prüfen |
| Du arbeitest ortsunabhängig und willst weit weg | Thailand, Panama, Mexiko | Spitzenplätze im Expat Insider 2026 | Visum, private Krankenversicherung, Besteuerung am neuen Wohnort |
| Du gehst in den Ruhestand | EU zuerst | Krankenversicherung und Rente lassen sich meist mitnehmen | Details im Ratgeber Auswandern als Rentner |
Die Tabelle ersetzt keine Prüfung. Sie sortiert nur vor, in welchen Ländern sich die Recherche für dich lohnt.
Fünf Fragen, die zur Entscheidung führen
- Woher kommt dein Geld? Eine Stelle vor Ort, Rente, Kapitalerträge oder Arbeit für Auftraggeber im Ausland führen jeweils zu anderen Ländern und anderen Steuerfolgen.
- Wie lange willst du bleiben? Ein Jahr auf Probe kannst du anders planen als einen Umzug für immer. Wer unsicher ist, geht zuerst in die EU, weil der Rückweg dort einfacher bleibt.
- Wie gut bist du versichert? Kläre vor dem Umzug, ob deine Kasse weiterläuft und wie gut Gesundheitssystem und Gesundheitsversorgung am Zielort sind. Für längere Reisen im Vorfeld reicht eine Langzeit-Reiseversicherung, für einen dauerhaften Umzug in der Regel nicht.
- Kommst du mit Klima und Sprache klar? Ein Urlaub in der Hauptsaison sagt wenig aus. Besuche dein Wunschland auch im schlechtesten Monat. Die Klimatabellen für Portugal, Griechenland und Thailand zeigen, wann das ist.
- Wer hilft im Notfall? Familie, Ärzte, Pflege und Behörden fallen im Alltag kaum auf, bis du sie brauchst. Rechne ehrlich durch, wie du bei Krankheit zurückkommst.
Was vor dem Umzug erledigt sein muss
- Abmelden: Laut Bundesmeldegesetz meldest du dich innerhalb von zwei Wochen nach dem Auszug ab, wenn du keine neue Wohnung im Inland beziehst. Frühestens geht das eine Woche vor dem Auszug.
- Krankenversicherung: Sprich vor dem Umzug mit deiner Kasse. Fragen zu Abkommen beantwortet die Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung Ausland.
- Steuern: Wer in Deutschland keinen Wohnsitz mehr hat und sich nicht länger als 183 Tage hier aufhält, ist nur noch mit bestimmten deutschen Einkünften beschränkt steuerpflichtig. Das Zielland kann dich trotzdem besteuern. Steuerlich kann der Wegzug also vieles ändern, deshalb hol dir einen Steuerberater, der beide Länder kennt.
- Beratung: Das Raphaelswerk berät Auswanderer und Rückkehrer. Reise- und Einreisehinweise je Land stehen beim Auswärtigen Amt.
Für wen sich der Global Citizen Explorer lohnen kann
Wer sein Einkommen international aufstellen will, stößt bald auf den Global Citizen Explorer* von Christoph Heuermann (Staatenlos) und Sergio von Facchin (GoodbyeMatrix). Das ist kein Auswanderer-Ratgeber im klassischen Sinn, sondern laut Anbieter eine Art Börsenbrief zu Wohnsitzen, Firmen, Bankkonten und Vermögensschutz nach der sogenannten Flaggentheorie, ergänzt um Interviews mit Partnerkanzleien.
Der Bestellprozess zeigt 369 Euro plus Mehrwertsteuer im Jahr, zusammen 439,11 Euro (Stand 6. November 2026). Das Monatsabo kostet laut Verkaufsseite 39 Euro und enthält nur die aktuelle Ausgabe. Wir haben das Abo nicht selbst abgeschlossen und auch keine belastbaren unabhängigen Bewertungen dazu gefunden. Das steht hier deshalb nur als Einordnung der Anbieterangaben.
Vier Punkte sprechen gegen einen schnellen Kauf:
- Die Zielgruppe sind Selbstständige und Menschen mit Vermögen. Für einen Umzug als Angestellter oder Rentner ist vieles davon nicht relevant.
- Die Verkaufsseite wirbt damit, Regierungen und Eliten würden Informationen vorenthalten. Das ist Marketing und keine neutrale Einordnung. Dazu erwähnt sie Lockdowns und die Nullzinspolitik, wirkt also nicht durchgehend aktuell.
- Die Anbieter schließen laut eigener Seite das Widerrufsrecht aus. Eine Rückzahlung gibt es danach nur innerhalb von 14 Tagen und nur, wenn du begründet belegst, dass die Inhalte nicht helfen.
- Die Partner, zu denen die Rabatte führen, verkaufen Dienstleistungen. Ein Newsletter ersetzt keine unabhängige Rechts- oder Steuerberatung.
Für alle anderen sind die amtlichen Quellen oben der bessere und kostenlose Einstieg.
