Kreuzfahrt
Viele Ziele, ein Koffer
Kreuzfahrten lösen ein Problem, das viele Rundreisen haben: ständiges Kofferpacken. Man wacht jeden Morgen in einem anderen Hafen auf, ohne umzuziehen – das macht sie besonders für Regionen attraktiv, in denen die Wege zwischen den Zielen lang sind, etwa in Norwegen oder in der Karibik.
Der Preis dafür ist Tiefe: Ein Landgang dauert typischerweise sechs bis zehn Stunden, was für einen ersten Eindruck reicht, aber selten für mehr. Kreuzfahrten funktionieren deshalb am besten als Übersicht – um herauszufinden, wohin man später länger zurückkehrt.
Für die Planung entscheidend sind drei Dinge: die Route, die Saison und was tatsächlich im Preis enthalten ist. Bei allen drei gibt es größere Unterschiede, als die Prospekte vermuten lassen.
Die klassischen Routen und ihre Saison
Mittelmeer: Von April bis Oktober, mit Häfen wie Barcelona, Venedig, Dubrovnik und Athen. Die Randmonate Mai und September sind angenehmer als der Hochsommer, in dem Landgänge bei über 35 Grad anstrengend werden und die Altstädte am vollsten sind.
Norwegen und Ostsee: Von Mai bis September. Die Fjordroute ab Bergen ist im Juni und Juli am hellsten – nördlich des Polarkreises mit Mitternachtssonne. Für Nordlichter gibt es Winterrouten entlang der norwegischen Küste zwischen Oktober und März.
Karibik: Von Dezember bis April, außerhalb der Hurrikansaison von Juni bis November. Kanaren: ganzjährig, mit dem Schwerpunkt im europäischen Winter. Asien und Emirate: von November bis April, wenn es am Golf und in Südostasien trocken und angenehm ist.
Was im Preis steckt – und was nicht
Enthalten sind üblicherweise Kabine, Vollpension in den Hauptrestaurants, Unterhaltung an Bord und der Transport zwischen den Häfen. Nicht enthalten sind meist Getränke, Landausflüge, Spezialitätenrestaurants, Spa, WLAN und das Trinkgeld, das viele Reedereien automatisch pro Tag und Person abrechnen.
Diese Nebenkosten summieren sich schnell auf 30 bis 50 Prozent des Reisepreises. Wer vergleicht, sollte deshalb Getränkepaket und Trinkgeld immer einrechnen – sonst ist das vermeintlich günstigere Angebot am Ende teurer.
Bei Landausflügen gilt: Reederei-Ausflüge sind teurer, garantieren aber, dass das Schiff auf Verspätungen wartet. Auf eigene Faust ist günstiger und flexibler – dann sollte man großzügig Puffer einplanen und die Rückkehrzeit ernst nehmen.
Kabine, Schiffsgröße, Seetage
Kabine: Innenkabinen sind am günstigsten und zum Schlafen völlig ausreichend, Balkonkabinen lohnen sich vor allem auf Landschaftsrouten wie Norwegen oder Alaska. Wer seekrankheitsanfällig ist, wählt eine Kabine mittschiffs auf einem niedrigeren Deck – dort sind die Bewegungen am geringsten.
Schiffsgröße: Große Schiffe bieten mehr Programm, Restaurants und Stabilität, laufen aber nur große Häfen an und bringen mehrere tausend Menschen gleichzeitig an Land. Kleinere Schiffe erreichen kleinere Häfen und legen zentraler an – ein spürbarer Unterschied etwa in Griechenland oder Norwegen.
Seetage: Routen mit vielen Häfen in Folge sind dicht getaktet; Seetage sind die eigentlichen Erholungstage. Ein guter Kompromiss sind Routen mit einem Seetag nach zwei bis drei Hafentagen.
Praktisches vor der Buchung
Anreise einplanen: Wer am Abreisetag anreist, riskiert bei Flugverspätung die gesamte Reise – das Schiff wartet nicht. Eine Übernachtung im Abfahrtshafen ist die günstigste Versicherung gegen dieses Risiko.
Dokumente: Je nach Route sind Reisepass und Einreisegenehmigungen für einzelne Häfen nötig, auch wenn man nur wenige Stunden an Land geht. Bei Routen mit den USA gilt die ESTA-Pflicht ebenso wie beim Flug.
Absicherung: Medizinische Versorgung an Bord ist kostenpflichtig und teuer, ein Krankentransport von See noch mehr. Eine Auslandsreisekrankenversicherung mit Rücktransport gehört dazu. Da Kreuzfahrten früh und mit hohen Stornostaffeln gebucht werden, ist eine Reiserücktrittsversicherung hier sinnvoller als bei den meisten anderen Reisearten.
Für wen sich eine Kreuzfahrt lohnt – und für wen nicht
Sie lohnt sich für alle, die viele Ziele in kurzer Zeit sehen wollen, für Reisende mit eingeschränkter Mobilität, für Familien mit Betreuungsangebot an Bord und für Regionen mit schwieriger Logistik an Land.
Weniger geeignet ist sie, wenn man ein Land wirklich kennenlernen will: Ein Hafentag in Dubrovnik oder Barcelona zeigt die Altstadt, nicht das Land. Wer das sucht, fährt mit einer Rundreise oder einem längeren Aufenthalt an einem Ort besser.
Ein guter Mittelweg ist die Kombination: Kreuzfahrt als Überblick, danach ein paar Tage an einem Ort, der besonders gefallen hat – viele Reedereien bieten Verlängerungsnächte im Start- oder Zielhafen an.
Reiseziele für Kreuzfahrt
Häufige Fragen
Wann ist die beste Zeit für eine Kreuzfahrt?
Im Mittelmeer April bis Oktober, mit Mai und September als angenehmsten Monaten. Norwegen und Ostsee von Mai bis September, die Karibik von Dezember bis April außerhalb der Hurrikansaison, die Kanaren und die Emirate im europäischen Winter.
Was ist bei einer Kreuzfahrt nicht im Preis enthalten?
Meist Getränke, Landausflüge, Spezialitätenrestaurants, Spa, WLAN und das automatisch abgerechnete Trinkgeld. Diese Posten machen häufig 30 bis 50 Prozent des Reisepreises aus und sollten beim Vergleich mitgerechnet werden.
Welche Kabine ist die richtige?
Innenkabinen sind am günstigsten und zum Schlafen ausreichend. Balkonkabinen lohnen sich auf Landschaftsrouten wie Norwegen. Wer zu Seekrankheit neigt, wählt eine Kabine mittschiffs auf einem tieferen Deck, weil die Schiffsbewegungen dort am geringsten sind.
Sollte man Landausflüge über die Reederei buchen?
Sie sind teurer, aber das Schiff wartet, wenn der Ausflug sich verspätet. Auf eigene Faust ist günstiger und flexibler – dann unbedingt großzügige Zeitpuffer einplanen, denn bei eigener Organisation trägt man das Risiko selbst.
Welche Versicherung braucht man für eine Kreuzfahrt?
Eine Auslandsreisekrankenversicherung mit Rücktransport, da Bordärzte kostenpflichtig behandeln und ein Krankentransport von See sehr teuer ist. Wegen der frühen Buchung und der strengen Stornostaffeln ist zusätzlich eine Reiserücktrittsversicherung besonders sinnvoll.
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